Hilfe bei verpfuschter Haartransplantation

Jeder der sich mit dem Thema Haartransplantation näher beschäftigt oder selber plant, eine Korrektur-Operation vorzunehmen, wird sich die Frage stellen, was er bei „misslungener Haartransplantation“ machen kann.

Die Zahl der Korrektur-Operationen, die medizinrechtlich Revisions-Operationen genannt werden, steigt und ist unter der Anzahl der stattfindenden Operationen bei den nachbehandelnden Haarchirurgen, die sich mit den Korrektur-Operationen befassen, wohl ständig zunehmend.

Eine wesentliche Ursache wird hierfür in der mittlerweile quasi Überschwemmung des Marktes mit sog. Billiganbietern im In- und Ausland für Haartransplantationen zu sehen sein, die mehr oder weniger zwangsläufig mit einer Absenkung der an sich geschuldeten Qualität der erbrachten Leistung einhergeht.

Aber auch ihrem Namen nach große Kliniken in Deutschland, die gerade nicht nur Haartransplantationen, sondern das ganze Spektrum an Schönheitsoperationen an diversen Standorten in Deutschland anbieten und alles andere als sog. Billiganbieter sind, lassen nicht selten die erforderliche Qualität vermissen. Auch hier wird – wie der Laie das nennt – nicht selten „gepfuscht“.

Die Hauptprobleme, die zu Korrektur-Operationen führen, sind in erster Linie Breitnarbenbildung u./oder zu lange Narbe im Spendergebiet, d.h. Nacken oder seitlichen Hinterkopf, schlechte Narbenbildung überhaupt bei Anwendung der FUT -Methode, aber auch sog. Lochfrass bei fehlerhaft angewendeter FUE-Methode durch zu dichte Entnahme. Ein anderes typisches Problem sind zudem schlecht „designte“, unnatürlich wirkender Haarlinien, ungenügende Dichte und in diesem Zusammenhang generell falsche Therapieplanung o. die Anwendung veralteter Behandlungsmethoden.

Für Korrektur-Operationen, sei es für notwendige Narbenkorrektur(en) am Hinterkopf mittels FUE-Behandlung u./o. Tricho (Trichophytic-Closure-Technik auch Durchwachstechnik genannt) oder das  „Umstylen“ der vorderen Haarlinie für ein natürlich-ästhetisches Ergebnis bzw. die Verdichtung durch den die Korrektur-OP durchführenden Haarchirurgen kommen allein an Behandlungskosten regelmäßig Beträge von deutlich über 10.000,-- EUR zusammen.

Das erforderliche Geld für Korrekturoperationen, die in aller Regel wesentlich teurer sind als der „entstellende“ Ersteingriff, haben viele Patienten nicht. 

Der Leidensdruck der unter den misslungenen Eingriffen leidenden Patienten wird dadurch aber nicht geringer, sondern nimmt je länger mit dem sie nach ihrem Empfinden entstellenden Ergebnis leben müssen, in der Regel nur zu und führt nicht selten auch zu psychischen Belastungen, die sich privat wie beruflich bemerkbar machen durch fehlendes Selbstbewusstsein, Verlust des Selbstwertgefühls, vermisster Erfolg u.a.

Ganz automatisch verbindet sich damit die Frage, wann der von einer fehlgeschlagenen/misslungenen Haartransplantation betroffene Patient Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld gegen die Klinik aus dem misslungenen Ersteingriff oder auch gegen den Operateur hat.

Unter Schadensersatz versteht man hier nicht nur das zu zahlende Schmerzensgeld, sondern vor allem auch die Kosten von notwendigen Revisions-Operationen (die regelmäßig schon signifikant über 10.000,00 EUR liegen) sowie auch die Kosten des misslungenen oder gar entstellenden Ersteingriffs.

In aller Regel liegen sich die gestellten Ansprüche deswegen zwischen Beträgen von 25.000,00 – 35.000,00 EUR. In einzelnen Fällen aber auch deutlich darüber. 

Ansprüche wird man einerseits dann stellen können, wenn ein Behandlungsfehler vorliegt. Dies ist dann der Fall, wenn – einfach formuliert – die Behandlung nicht fachgerecht, d.h. medizinrechtlich bei Unterschreitung des ärztlichen Standards durchgeführt wurde.

Bei den bereits oben beschriebenen „Resultaten“ wie Breitnarbenbildung und/oder zu lange Narbe im Spendergebiet (Nacken), „Lochfrass“ bei fehlerhaft angewendeter FUE-Methode durch zu dichte Entnahme oder durch unsachgemäße Handhabung des mittels Mikromotor unterstützen Hohlbohrers oder eben schlecht „designte“, unnatürlich wirkende Haarlinie bzw. ungenügende Dichte im Einzelfalls, Anwendung veralteter Methoden (Mini-Mikro-Graft-Methode, Punch) wird man dies aus Sicht des gut ausgebildeten und vorsichtigen Haarchirugen – dessen Verhalten ist sozusagen die Messlatte  -  in aller Regel wohl unschwer bejahen können.

Denn Maßstab ist hier: wie hätte sich der gut ausgebildete und vorsichtige Haarchirurg verhalten und wären diese „Resultate“ gerade vermieden worden bei fachgerechter Anwendung!?

Ein anderer wesentlicher Gesichtspunkt, wann und warum Ansprüche gestellt werden können, ist zudem die Verletzung von Aufklärungspflichtverletzungen durch die Klinik.

Zunächst wird man hier immer wieder feststellen können, dass die Aufklärung durch einen dort selbständig oder angestellten (Marketing-)Mitarbeiter der Klinik erfolgt, der selber kein Arzt oder gar Haarchirurg ist.

Vieles erinnert hier an das landläufige Bild eines Verkäufers, der seine Ware – hier die Operation – an den Mann bringen will.

Nach st. Rechtsprechung ist eine solche Aufklärung in Deutschland unwirksam, da die Aufklärung nur durch einen Arzt, der entsprechend qualifiziert ist, erfolgen darf.

Der fragliche Eingriff stellt in diesem Fall schon deshalb grundsätzlich eine rechtswidrige Körperverletzung dar.

Darüber hinaus entspricht es ebenfalls ständiger Rechtsprechung, dass bei Schönheitsoperationen – und hierzu zählen Haartransplantationen  – umfassend und schonungslos über alle Risiken, die sich mit dem Eingriff verbinden, aufzuklären ist.

Sehr häufig, wenn nicht regelmäßig, werden hier Risiken, die sich später verwirklichen wie etwa Breitnarbenbildung (so denn nur kein Behandlungsfehler vorliegt im Einzelfall) verschwiegen, so dass der Patient quasi „ein böses Erwachen“ erst im Nachhinein erlebt wegen eines verwirklichten Behandlungsrisikos, über das er hätte im Vorhinein aufgeklärt werden müssen und bei dessen Kenntnis er eben diese Behandlungsmethode abgelehnt hätte.

Auch kommt es immer wieder vor, dass nur eine Behandlungsmethode sozusagen verkauft werden soll, während bestehende Behandlungsalternativen nicht oder unvollständig dargestellt werden.

Bei Bestehen von medizinisch gleichermaßen indizierten Behandlungsmethoden wie es im Bereich von Haartransplantationen mit FUT vs. FUE der Fall ist und die durchaus wesentlich unterschiedliche Risiken oder Erfolgschancen aufweisen hinsichtlich der Entnahmemethode und somit  echte Wahlmöglichkeiten für den Patienten darstellen, ist seitens der Klinik über die jeweilige Behandlungsalternative mit ihren Chancen und Risiken in zutreffender und vollständiger Form aufzuklären. 

Es ist aber Sache des Patienten, nach entsprechender Aufklärung die Entscheidung zu treffen, auf welchem Wege die Behandlung erfolgen soll und auf welches Risiko er sich einlassen will.

Geschieht beispielsweise auch dies nicht, liegt auch insoweit eine Aufklärungspflichtverletzung vor, die grundsätzlich dazu führt, dass die Einwilligung des Patienten in den Eingriff als unwirksam, d.h. ungültig angesehen wird mit der Folge, dass eine rechtswidrige Körperverletzung vorliegt. 

Auch hierbei ist  dann im Übrigen vollkommen gleichgültig, ob der Behandler eine dem Namen nach sog. große Klinik mit diversen Standorten im Bundesgebiet oder es sich um eine kleine UG handelt, die sich einfliegender Ärzte als Operateure bedient und zu Dumping-Preisen Haartransplantationen anbietet.

Zusammenfassend ist damit zu resümieren, dass niemand sich mit einer misslungenen Haartransplantation abzufinden braucht.

Mehr als hilfreich sind hier privatgutachterliche Einschätzungen von renommierten Haarchirurgen zur Frage von Behandlungsfehlern beim misslungenen Ersteingriff, auch wenn hier vieles häufig selbst für den Laien offensichtlich ist. Zudem ist hier eine eingehende Sichtung der Behandlungsunterlagen – die der Anwalt anfordert – bei Verfolgung der Ansprüche und der Prüfung des Falles unerlässlich.

Bei rechtsschutzversicherten Patienten werden die Kosten der außergerichtlichen und gerichtlichen Rechtsverfolgung grundsätzlich problemlos von der Rechtsschutzversicherung gezahlt.

Info: Dieser Artikel gilt insbesondere für deutsches Recht. Patienten welche in Deutschland behandelt wurden oder im Ausland und sich eine Vertretung der Klinik in Deutschland befindet. 

Autor:

Christoph Bomke, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Medizinrecht



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